Interview mit Rainer Landwehr, Geschäftsführer der Dietze + Schell Unternehmensgruppe

Die Dietze + Schell Gruppe ist in den letzten Jahren durch neue Produkte, Internationalisierung und Firmenzukäufe stark gewachsen. Über die Entwicklung vom Maschinenhersteller zum Komplettanbieter umfangreicher Produktionslösungen und damit zum Weltmarktführer äußert sich Geschäftsführer Rainer Landwehr.

Herr Landwehr, wofür werden die Maschinen von Dietze + Schell verwendet?
Rainer Landwehr: unsere Maschinen und Anlagen kommen überall dort zum Einsatz, wo technische Garne, Fasern oder Bänder gespult und veredelt werden müssen. Im Geschäftsbereich „extrusion“ stellen wir darüber hinaus auch komplette Produktionsanlagen von der Verarbeitung vom Rohmaterial bis hin zum fertigen Endprodukt wie beispielsweise Verpackungsband oder Kunstrasengarn her.
Sie finden unsere Produkte unter anderem bei der herstellung oder Verarbeitung von Glas-und Karbonfasern, technischen Garnen, Verpackungsbändern oder Kunstrasen. unsere Kundenstruktur ist daher äußerst vielschichtig. Die Endkunden kommen beispielsweise aus dem Automobil- und Nutzfahrzeugbau, der Luftfahrtindustrie, der Sport- und Freizeitindustrie oder aus Bereichen des Baugewerbes.

Sie sind in mehreren Bereichen Weltmarktführer, können Sie das genauer erläutern?
Rainer Landwehr: in zahlreichen Bereichen haben wir einen Weltmarktanteil von 70 – 80 %. aber mehr noch: Die Energiewende müsste vermutlich ohne Windkraft auskommen, wenn es Dietze + Schell nicht gäbe. Denn unsere Anlagen werden für die Herstellung der Glasfasern benötigt, die man für die Herstellung von Rotorblättern für Windräder verwendet. Glasfasern bieten die erforderliche stabilität bei relativ geringem Gewicht. Auch die Herstellung von Kunstrasen wäre ohne Maschinen von Dietze + Schell nicht denkbar. Hier wickeln und texturieren unsere spulmaschinen die Monofilamente, die zuvor auf Extrusionsanlagen – meist ebenfalls von Dietze + Schell geliefert – produziert wurden.

Dietze + Schell ist den letzten Jahren stark gewachsen, wie haben Sie das erreicht?
Rainer Landwehr: neben einer nach wie vor sehr positiven Konjunktur profitieren wir vom weltweiten Trend, herkömmliche Materialien durch leichtere und bessere Verbundwerkstoffe, sogenannte composite Materials, zu ersetzen. Ob im Fahrzeugbau oder bei der Herstellung eines Airbus a 320 oder boeing Dreamliners, geht nichts ohne unsere Maschinen. Ein weiterer Grund für unser Wachstum ist, dass wir in den letzten fünf Jahren mehrere unternehmen im In- und Ausland übernommen und erfolgreich in unseren Unternehmensverbund integriert haben.

Warum haben Sie diese Firmen übernommen?
Rainer Landwehr: Bei der Übernahme des damals insolventen Extrusionsanlagenbauers SIMA in Bologna/ Italien im Jahr 2013 bestand die wesentliche Motivation darin, dass wir uns zukünftig nicht mehr „nur“ auf die Rolle eines Maschinenlieferanten für Wickel- und Spulmaschinen beschränken wollten. Wir wollten stattdessen beim Herstellungsprozess von Verpackungsbändern oder Kunstrasen als Komplettanbieter für die Lieferung einer Anlage vom Extrusionsprozess bis hin zum Wickler auftreten können. Dieser Schritt legte den Grundstein für die weiteren Übernahmen bisheriger Wettbewerber, wie Technoplastic, newtex oder Reimotec in Italien bzw. Deutschland.

Wie sind Produktion und Entwicklung Ihrer Anlagen auf die einzelnen Standorte verteilt?
Rainer Landwehr: Der Standort Coburg ist der Hauptsitz der Unternehmensgruppe und das Kompetenzzentrum rund um das Thema „Wickeln“. Durch die SIMA Winding Technology nördlich von Mailand wird unser Produktportfolio mit mechanischen Wicklern sinnvoll ergänzt und abgerundet. Unsere tschechische Schwestergesellschaft Trima nordöstlich von Prag produziert sondermaschinen zum Wickeln und Schneiden von Matten in den Bereichen Carbon und Glas. SIMA Italien in Bologna ist das Kompetenzzentrum für Extrusion, bei SIMA Deutschland in Lampertheim in Hessen entwickeln und bauen wir Extrusionsanlagen zur herstellung von Hochleistungsfilamenten und Sonderapplikationen. Dietze + Schell Manufacturing solutions in Anderson/ sc produziert Maschinen zum schneiden von Glasfasern und organisiert das Service- und Ersatzteilgeschäft der Unternehmensgruppe für Nordamerika.

Können Mitarbeiter bei Dietze + Schell auch international tätig werden, etwa in Italien oder den USA?
Rainer Landwehr: Wir fördern es selbstverständlich, wenn ein Mitarbeiter an einem anderen Standort eingesetzt werden will. Ein reger Austausch von Mitarbeitern aus der Montage oder Fertigung findet beispielsweise auch zum Ausgleich von Kapazitätsspitzen zwischen den Gesellschaften statt. Darüber hinaus nehmen unsere auszubildenden regelmäßig an Montageeinsätzen im internationalen Umfeld teil und werden entsprechend darauf vorbereitet.

Wie nah sind Sie Ihrem Ziel, den Kunden automatisierte Komplettlösungen anzubieten, schon gekommen?
Rainer Landwehr: in den Bereichen Verpackungsband, Kunstrasen oder Reifencord können wir unseren Kunden bereits heute einen Automatisierungsgrad von 100% anbieten. Für das vollautomatische Wickeln von Verpackungsband haben wir mit einer neuen automatengeneration eine Maschine entwickelt, die ein Spulpaket mit einem Gewicht von 135 kg in 35 sekunden vollautomatisch wechseln und verkaufsfertig folieren kann. Diese Entwicklung hat unseren Kunden die Verdopplung der Produktionsgeschwindigkeit ermöglicht. Bei der Herstellung von Kunstrasen haben wir die Produktion der Garne, welche bisher in separaten arbeitsschritten erfolgte, in einem automatisierten Produktionsprozess zusammengefasst. hier haben wir mit unserer Technologie ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal.

 

Quelle: Kompetenzzentrum Maschinenbau, Ausgabe 11.2018, S.6f

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